Das Wichtigste in Kürze
- EU AI Act Artikel 4 verpflichtet seit dem 2. Februar 2025 alle Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, zur KI-Kompetenz ihres Personals.
- Die Pflicht betrifft nicht nur komplexe KI-Anwendungen, sondern auch Standard-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Gemini im Arbeitsalltag.
- Ein festes Schulungsformat schreibt die Verordnung nicht vor, praktische Weiterbildung lässt sich über Bildungsgutschein und Qualifizierungschancengesetz fördern.

Inhaltsverzeichnis
Was schreibt Artikel 4 des EU AI Act vor?
Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, sicherzustellen, dass ihr Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt. Gemeint ist damit kein Programmierwissen, sondern ein Verständnis für Funktionsweise, Chancen, Risiken und Grenzen der eingesetzten Systeme.
Die Verordnung definiert KI-Kompetenz als die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es Beschäftigten ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich möglicher Schäden bewusst zu sein. Dazu zählen Grundlagenwissen zur Funktionsweise, rechtliche Rahmenbedingungen wie der Datenschutz sowie das Erkennen von Bias und Fehlentscheidungen.
Wichtig für die Praxis: Die Pflicht bezieht sich nicht nur auf komplexe, unternehmenseigene KI-Systeme. Auch der alltägliche Einsatz von generativen Tools wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini fällt darunter, sobald diese im beruflichen Kontext genutzt werden.
Seit wann gilt die KI-Kompetenzpflicht?
Artikel 4 ist Teil der Verordnung (EU) 2024/1689, die am 1. August 2024 in Kraft trat. Anders als viele weitere Vorgaben des EU AI Act, etwa die umfangreichen Pflichten für Hochrisiko-KI, ist Artikel 4 bereits seit dem 2. Februar 2025 anwendbar.
Damit gehört die KI-Kompetenzpflicht zu den ersten sofort geltenden Regelungen der Verordnung. Unternehmen, die bislang keine Maßnahmen ergriffen haben, erfüllen die gesetzliche Vorgabe aktuell nicht, unabhängig davon, wie fortgeschritten die eigene KI-Nutzung ist.
Wer ist von der KI-Kompetenzpflicht betroffen?
Der Anwendungsbereich von Artikel 4 ist bewusst weit gefasst. Er richtet sich an zwei Gruppen, die in der Praxis die meisten Unternehmen abdecken.
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen
Betroffen sind sowohl Unternehmen, die KI-Systeme selbst entwickeln oder unter eigenem Namen anbieten, als auch alle, die KI-Systeme im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit einsetzen. Die zweite Gruppe trifft auf die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in Deutschland zu, unabhängig von Branche oder Größe.
Auch Personen, die im Auftrag eines Unternehmens mit KI-Systemen arbeiten, zählen dazu. Das schließt Auftragnehmer, Dienstleister und in bestimmten Fällen sogar Kund:innen ein, die auf Systeme des Unternehmens zugreifen.
Auch Standard-Tools wie ChatGPT und Copilot zählen
Ein häufiges Missverständnis: KI-Kompetenzpflicht gilt angeblich nur für Unternehmen mit eigenentwickelten oder hochriskanten KI-Systemen. Tatsächlich sind auch weit verbreitete Anwendungen erfasst, etwa:
- Generative Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini für Texterstellung und Recherche
- KI-gestützte Bewerbungs- und Recruiting-Software in der Personalabteilung
- Automatisierte Kundenkommunikation über Chatbots
- Interne Datenanalyse-Tools mit KI-Funktionen
Teams, die glauben, mit ihrem KI-Einsatz noch nicht betroffen zu sein, unterschätzen damit häufig den tatsächlichen Geltungsbereich.
Was passiert bei Nichteinhaltung?
Artikel 4 sieht keine eigenständigen Bußgelder vor, anders als etwa die Vorschriften zu verbotenen KI-Praktiken oder Hochrisiko-Systemen. Das bedeutet jedoch nicht, dass fehlende KI-Kompetenz folgenlos bleibt.
Kommt es durch unzureichend geschulte Mitarbeitende zu Schäden, etwa durch fehlerhafte KI-generierte Entscheidungen oder Datenschutzverstöße, haftet das Unternehmen zivilrechtlich. Aufsichtsbehörden werten fehlende Schulungsmaßnahmen zudem als erschwerenden Faktor, wenn es im Zusammenhang mit anderen Verstößen gegen den EU AI Act zu Untersuchungen kommt.
Die Kompetenzpflicht ist damit weniger ein einmalig zu erfüllendes Compliance-Häkchen als ein fortlaufender Prozess. Neue KI-Werkzeuge im Unternehmen erfordern neue Schulungsinhalte, eine einmalige Einführungsveranstaltung reicht langfristig nicht aus.
Wie setzt du die KI-Kompetenzpflicht praktisch um?
Die Verordnung schreibt kein bestimmtes Schulungsformat vor, das schafft Flexibilität, aber auch Unsicherheit bei der Umsetzung. Bewährt hat sich in der Praxis ein gestufter Ansatz: eine Basis-Schulung für alle Mitarbeitenden, ergänzt durch vertiefende Inhalte für Personen mit direktem KI-Bezug im Job.
Schulungsinhalte, die Artikel 4 abdecken sollte
Eine konforme Schulung deckt in der Regel folgende Themenblöcke ab:
- Grundlagenverständnis: Wie funktionieren die im Unternehmen eingesetzten KI-Systeme technisch
- Rechtlicher Rahmen: Datenschutz, Urheberrecht und Verantwortlichkeiten im Umgang mit KI
- Risikobewusstsein: Erkennen von Bias, Halluzinationen und Fehlentscheidungen
- Praktische Anwendung: sicherer und produktiver Einsatz von KI-Tools im eigenen Arbeitsalltag
L&D-Verantwortliche stehen dabei oft vor der Aufgabe, diese Inhalte nicht nur zu vermitteln, sondern auch nachvollziehbar zu dokumentieren. Absolventin Elena Giannetti, die im KI für den Beruf Kurs ausgebildet wurde, hat als L&D Managerin genau dieses Problem gelöst: Sie baute ein automatisiertes Trainingsmanagement-System mit Airtable, Slack, Make und HeyGen, das Schulungsfortschritte im Unternehmen strukturiert nachverfolgt, ein reales Anwendungsbeispiel dafür, wie sich KI-Kompetenzaufbau im Unternehmensalltag organisieren lässt.
Förderung über Bildungsgutschein und Qualifizierungschancengesetz
Strukturierte KI-Weiterbildung für Mitarbeitende lässt sich in Deutschland fördern. Über das Qualifizierungschancengesetz können Unternehmen einen Teil der Weiterbildungskosten erstattet bekommen, unabhängig von Alter oder Qualifikation der Beschäftigten. Für einzelne Mitarbeitende, etwa bei Umschulung oder gezielter Höherqualifizierung, kommt zusätzlich der Bildungsgutschein infrage, der die Kursgebühren bis zu 100 Prozent übernehmen kann.
Der KI Kompakt Kurs von WBS CODING SCHOOL ist genau auf diesen Bedarf zugeschnitten: In 8 Wochen, vormittags und damit neben dem Job machbar, vermittelt der Kurs KI-Grundlagenwissen, rechtliche Anforderungen und praktische Tool-Kompetenz, inhaltlich direkt auf die Anforderungen aus Artikel 4 ausgerichtet. Der wöchentliche Kursstart macht die Planung für Unternehmen zusätzlich einfacher.
Wer sich intensiver mit KI-Anwendungen auseinandersetzen möchte, etwa bei einer geplanten Umschulung oder einer neuen KI-nahen Rolle im Unternehmen, findet im KI für den Beruf Kurs die Vollzeit-Variante: 8 Wochen mit tieferem Praxisanteil, ebenfalls bis zu 100 Prozent über den Bildungsgutschein förderbar.
Häufige Fragen zu Artikel 4 EU AI Act
Muss ich die KI-Kompetenz meiner Mitarbeitenden formal prüfen?
Nein, Artikel 4 verlangt keine Zertifizierung oder Prüfung der KI-Kompetenz. Die Pflicht bezieht sich auf angemessene Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung, nicht auf einen Nachweis in Form von Tests oder Zertifikaten. Sinnvoll ist trotzdem, durchgeführte Schulungen zu dokumentieren, um die Erfüllung der Pflicht im Zweifel belegen zu können.
Gilt die Pflicht auch für kleine Unternehmen?
Ja, die Unternehmensgröße spielt bei Artikel 4 keine Rolle. Ein Start-up mit fünf Mitarbeitenden unterliegt derselben grundsätzlichen Verpflichtung wie ein Konzern mit mehreren tausend Beschäftigten. Entscheidend ist allein, ob KI-Systeme im Unternehmen zum Einsatz kommen.
Reicht eine einmalige Einführung in ChatGPT als Schulung aus?
Eine einmalige, kurze Einführung deckt selten das geforderte Themenspektrum ab. Artikel 4 verlangt Verständnis für Funktionsweise, Risiken und rechtliche Rahmenbedingungen, nicht nur die reine Bedienung eines Tools. Da sich KI-Werkzeuge im Unternehmen laufend weiterentwickeln, empfiehlt sich zudem eine regelmäßige Aktualisierung der Schulungsinhalte statt einer einmaligen Maßnahme.
Hilfreiche Blogs
- KI-Kompetenzen: 5 Skills für deine Jobgarantie
- Beste KI-Kurse in Deutschland
- Bildungsgutschein beantragen: vollständiger Leitfaden
Fazit
Artikel 4 des EU AI Act ist bereits geltendes Recht, nicht nur für Unternehmen mit eigener KI-Entwicklung, sondern für alle, die KI-Tools im Arbeitsalltag einsetzen. Strukturierte, dokumentierte Weiterbildung ist der praktikabelste Weg, die Anforderung zu erfüllen und gleichzeitig die eigene Belegschaft zukunftsfähig aufzustellen. Der KI Kompakt Kurs von WBS CODING SCHOOL vermittelt genau dieses Wissen in 8 Wochen neben dem Job, wer tiefer einsteigen will, findet im KI für den Beruf Kurs die Vollzeit-Variante, beide förderfähig über Bildungsgutschein oder Qualifizierungschancengesetz.









