Kateryna Tsyklauri musste ihre Karriere neu erfinden, nachdem sie aus der Ukraine geflohen war und sich in Deutschland niedergelassen hatte. So hat sie es geschafft.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein passender Abschluss reichte nicht aus: Kateryna hatte bereits einen IT-Abschluss aus der Ukraine, bekam in Deutschland aber hunderte Absagen, meist wegen ihres Deutschniveaus.
- Ein Jobangebot kam mit einer Bedingung: Ein Unternehmen bot ihr eine Stelle als Junior .NET Software Developer an, unter der Bedingung, dass sie zuerst ihr Coding Bootcamp abschließt.
- Die Motivation musste von innen kommen: Kateryna sagt klar, dass ein Bootcamp die Struktur liefert, aber der Antrieb, sich durch intensive Projekte zu kämpfen, von den Studierenden selbst kommen muss.
Die Sommertage waren dunkel für Kateryna. Sie suchte Arbeit als Webentwicklerin, ausgestattet mit einem IT-Abschluss der National Aerospace University in Charkiw, Ukraine. Aber alles, was sie bekam, waren Absagen.

Inhaltsverzeichnis
Absage nach Absage, in einer fremden Sprache
„Ich habe mich auf hunderte Jobs beworben“, sagt sie heute. „Am weitesten bin ich mit einer Absage gekommen, in der wenigstens der Grund genannt wurde, warum sie mich nicht nehmen: Mein Deutsch war nicht gut genug.“
Flucht aus Kyjiw mit Katze, Laptop und einem Fläschchen Parfüm
Es war 2022, und Kateryna war weit weg von ihrer Heimat. „Ich habe in Kyjiw gelebt. Ich erinnere mich, wie ich eines Morgens um 5 Uhr vom Geräusch von Explosionen geweckt wurde. In dem Moment wusste ich, es war Zeit, von dort wegzukommen.“
Wie viele auf der Flucht vor der russischen Invasion der Ukraine durchlebte Kateryna eine eigene Odyssee, um in Sicherheit zu gelangen. Lange Strecken auf Straßen, auf denen alles zerstört war, Busfahrten umgeben von Panzern und Hubschraubern, geteilte Autofahrten, geteilte Hotelzimmer.
„Alles, was ich hatte, war das, was ich in aller Eile mitnehmen konnte: meine Katze, meinen Laptop und, aus einem Grund, den ich immer noch nicht ganz erklären kann, mein kleines Parfümfläschchen.“

Ein neues Leben in einer kleinen deutschen Stadt
Schließlich fand sie einen sicheren Zufluchtsort in Erkrath, einer kleinen Stadt am Rande von Düsseldorf. Ein großer Kontrast zu dem Chaos, dem sie gerade entkommen war: Hier gab es nichts als ältere Paare bei langsamen Spaziergängen und endlose Felder ringsherum. Aber Zeit zum Ausruhen hatte sie nicht. Sie musste sich ein neues Leben aufbauen.
Aber wie? Wo immer sie nach einem Job suchte, blieben die Türen geschlossen.
Eine Fahrradtour in den Wald, und eine Entscheidung
Eines Sommertages lieh sie sich das Fahrrad ihres Freundes. „Ich konnte in der Ukraine nicht Fahrrad fahren“, erinnert sie sich. „Das habe ich erst in Deutschland gelernt, während ich arbeitslos war.“
Sie fuhr in ein Feld hinein, dann in ein weiteres, dann weiter, bis sie im Wald war. Sie fand eine kleine Bank und setzte sich, um durchzuatmen. Als sie sich umsah, merkte sie, dass sie nicht mehr wusste, wo sie war. Weder im Wald, noch in ihrem Leben.
„In dem Moment wurde mir klar, dass ich etwas ändern musste. Ich musste eine Entscheidung über mein Leben treffen.“
Am nächsten Tag telefonierte sie mit einer Vertretung der WBS CODING SCHOOL zum KI-Softwareentwicklung Kurs und fragte, wie sie sich anmelden könne.
„Ich musste meine IT-Skills aktualisieren. Außerdem brauchte ich ein Zertifikat, das hier in Deutschland anerkannt wird“, sagt Kateryna, „und natürlich brauchte ich eine staatliche Förderung, um die Finanzierung zu decken. Das hat etwas gedauert, und trotzdem sah ich überraschend schnell erste Ergebnisse, noch bevor ich überhaupt angefangen hatte.“
Ein Jobangebot mit einer Bedingung: erst das Bootcamp abschließen
Kurz bevor das Bootcamp begann, wurde Kateryna zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Junior .NET Software Developer eingeladen. Sie erzählte dem Unternehmen von ihrem Hintergrund und von dem Bootcamp, das sie bald beginnen würde.
Die Antwort kam ein paar Tage später. „Sie sagten mir, sie würden mich einstellen“, erinnert sie sich, „aber nur, wenn ich zuerst mein Bootcamp abschließe.“
Das war genau die Motivation, die Kateryna brauchte. Sie warf sich mit vollem Einsatz ins Bootcamp, auch wenn die bekannte Intensität moderner Coding Bootcamps eine echte Herausforderung war.
„An einem Punkt wurde ich einem Team zugeteilt, und wir sollten ein Projekt abliefern“, sagt sie. „Die Dinge wurden schnell kompliziert, wir hatten eine Deadline, und ich saß am Ende 12 Stunden am Stück vor meinem Laptop und kämpfte darum, etwas Funktionierendes zusammenzubekommen. Ich wollte ehrlich gesagt an dem Punkt aufgeben.
Andererseits verstehe ich, warum mein Unternehmen wollte, dass ich zuerst das Bootcamp abschließe. Das war ein Vorgeschmack darauf, wie sich echte Arbeit in der Tech-Branche manchmal anfühlt.“
Gleichzeitig war die Freude daran, die Disziplin (wieder) zu lernen, mit der sie schon als kleines Mädchen arbeiten wollte, nicht zu übersehen. „Es war unglaublich, trotz all der Arbeit. Ich war endlos fasziniert von allem, was ich gelernt habe.
Die Zeit an unserem Abschlussprojekt war die beste. Meine Teamkolleg:innen waren wie ich Ausländer:innen in Deutschland, also haben wir eine Art Social Media für Menschen gebaut, die Sport treiben wollten. Inspiriert war das von meinen Erinnerungen ans Straßenbasketball in der Ukraine.“
Junior Software Developer: zu Hause, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne
Zwei Wochen nach Ende des Bootcamps, an einem regnerischen Herbsttag, setzte sich Kateryna an ihren Arbeitsplatz, umgeben von den kleinen Dingen, die sie von zu Hause hatte mitnehmen können, ein Kaffeetassenhalter, ein Mousepad in Form von Aladdins fliegendem Teppich, und begann ihren ersten offiziellen Tag als Junior .NET Software Developer.
„Manche denken, ein Bootcamp ist wie ein Wundermittel, das einem sofort einen Tech-Job verschafft“, sagt Kateryna zum Abschluss des Interviews. „Die Wahrheit ist: Es liefert nur die Struktur, der Großteil der Arbeit muss von einem selbst kommen. Man muss wirklich motiviert sein und wirklich für die Arbeit in der Tech-Branche brennen.
Aber wenn du dieser Typ Mensch bist, dann geht’s! Noch vor ein paar Monaten ging es mir absolut miserabel, ich war arbeitslos und kam nirgendwo hin. Heute arbeite ich in dem Job, den ich mir schon als Kind gewünscht habe. Und ich bin so vielen Menschen so dankbar.“
Kateryna Tsyklauri hat im November 2023 den KI-Softwareentwicklung Kurs der WBS CODING SCHOOL abgeschlossen und arbeitet aktuell als Junior Software Developer.
Wie findet man nach einer Umschulung zum Programmierer einen Job?
Nach einer Umschulung zum Programmierer oder zur Programmiererin gelingt der Jobeinstieg meist über drei Faktoren: eine aktive Jobsuche, die schon vor dem Abschluss beginnt, ein starkes Abschlussprojekt, das man in Vorstellungsgesprächen zeigen kann, und Unterstützung durch den Career Service der Schule bei Lebenslauf und LinkedIn-Profil. Manche Arbeitgeber:innen, wie in Katerynas Fall, bieten sogar einen bedingten Job an, während die Umschulung noch läuft, unter der Bedingung, dass das Programm zuerst abgeschlossen wird. Das zeigt, wie viel Gewicht ein Bootcamp-Zertifikat bei Einstellungsentscheidungen schon vor dem Abschluss hat.
Bereit, deine eigene Comeback-Geschichte zu schreiben?
- Entdecke unseren KI-Softwareentwicklung Kurs (früher: Web & App Development Bootcamp), den Kurs, der Kateryna zu ihrem ersten Tech-Job verholfen hat.
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